DFG-Mercator-Project: „Traces of Mind Control in American Cold War Culture“
Within the Mercator-Professorship of Prof. Sharon Ullman (Bryn Mawr College,
Philadelphia) a joint research project with the title „Traces of Mind Control in American Cold
War Culture“ will be conducted at the University of Erfurt during the summer semester 2011.
Prof. Ullman specializes in 20th century American cultural and gender history and authored
two distinguished studies on the history of sexuality in the United States. She is currently
working on a manuscript on the history of culture, media and film during the Cold War era
which is titled “Brainwashing: The Anxious Mind of Cold War America” and which ideally
fits with the cultural and area studies focus of the history program at the University of Erfurt.
Based on Prof. Ullman’s recent work and in accordance with current research at our
history department this project will address the phenomenon which intensified in the United
States during the Cold War era: namely the need - especially felt during times of conflict and
menace - to produce, secure and surveil sociocultural homogeneity in the country. This
project of creating a homogeneous system of thought and perception was not only conducted
in the fields of religion and science, but also in entertainment and popular culture by such
means as movies, literature, theatre and sports. In addition to the analysis of practices of
homogenization our research will also focus on traces of resistance, evasion as well as
ambivalence and criticism in reaction to the homogenizing strategies.
In the course of our research different subprojects will be accomplished. Firstly, artifacts
of the Cold War (traces of texts, images, and movies about buildings up to names, elements of
speech etc., especially from the domain of politics, religion, science, entertainment) will be
collected and documented in a virtual archive, put online and discussed. Secondly, there will
be screenings of topic related movie classics – most of them rather unknown in Germany –
that will show examples of “Cold War Movies”. Finally, at the end of the project the
University of Erfurt will host a workshop (June 15/16, 2011) that will be used as a
platform to discuss research results and to evaluate and improve the work on the virtual
archive.
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Confidential Sources: Eine Kulturgeschichte des Denunzierens in den USA im 20. Jahrhundert
Stichwort »Denunziation«
»Der größte Lump im ganzen Land, das ist und bleibt der Denunziant« - Hoffmann v. Fallerslebens Ausspruch verweist auf die negativen Assoziationen, die auch heute noch mit Spitzeln und Denunzianten verbunden werden. Diese pejorative Bedeutungsdimension bezieht sich auf eine weit zurück reichende und tief wirkende kulturelle Tradition, doch schon der Julius Caesar zugesprochene Satz, die Menschen liebten den Verrat, aber nicht den Verräter, lässt eine gewisse Doppelbödigkeit des Denunzierens aufscheinen.
Robert Gellately und Sheila Fitzpatrick haben Denunziationen Mitte der 1990er Jahre in einem für die historische Forschung zu diesem Komplex paradigmatischen Aufsatz als spontane und unregelmäßige Mitteilungen Einzelner von Fehlverhalten Anderer an staatliche Behörden mit dem Zwecke der Sanktionierung definiert. Obgleich diese Definition große Bedeutung erlangt hat, soll sie für das hier angestrebte Projekt erweitert werden, denn mit ihrer Ausgrenzung etwa des Polizeispitzels oder möglicher anderer Adressaten als staatliche Stellen gehen Engführungen einher, die der Komplexität des Gegenstands nicht gerecht werden. Denunziationen haben einen wesentlich kommunikativen Charakter, sie sind Teil eines komplexen Geflechts von Aussagen und Praktiken, das sich zu einem Dispositiv der Loyalität und Wachsamkeit verdichtet und in meinen Augen erstens der Homogenisierung und symbolischen Reproduktion eines Kollektivs dient und zweitens im Sinne von Foucaults Gouvernementalitätsanalyse Techniken von Herrschaft und des Selbst bündelt. „Das ganze zweifelhafte Gemurmel [...], das jeden wie eine Wolke umgibt“, lässt ein vielschichtiges und heterogenes Feld von Sichtbarem und Sagbarem entstehen, in welchem sich Denunziant und Opfer, Zuschauer und Kommentator, Staat und Gesellschaft verhalten können und müssen. Diese Aspekte sollen für die Geschichte der USA herausgearbeitet werden.
Stichwort »USA«
Denunziatorisches Verhalten ist nicht auf Diktaturen beschränkt. Diese Aussage ist zunächst nicht sonderlich überraschend, im Zusammenhang indes mit der beständig zunehmenden Anzahl von historischen Arbeiten, die sich dem Thema Denunziation zuwenden, bekommt dieser Hinweis doch eine gewisse Berechtigung. Dort überwiegt die Behandlung von Denunziationsformen in Diktaturen bzw. in vor-demokratischen Gesellschaften überdeutlich. Trotzdem fehlt selten der Hinweis darauf, dass Denunziationen und verwandte Verhaltensmuster eben auch in Demokratien westlichen Musters vorzufinden (gewesen) seien. Als Beleg für diese Annahme hat sich der Verweis auf die anti-kommunistische Repressionswelle in den USA seit den späten 1940er Jahren fest etabliert.
Doch auch jenseits des McCarthyismus gehören denunziatorische Praktiken und denunziatorische Rede seit je her zur Geschichte der USA. Erinnert sei nur an die Salem Witch Trials zu Ende des 17. Jhd., an die Auseinandersetzungen zwischen Patrioten und Loyalisten während der Revolution, an die Ausgrenzungskampagnen gegenüber verschiedenen Migrantengruppen oder die Anti-Deutschen bzw. Anti-Japanischen Kampagnen während der Weltkriege. Und dass sich diese Liste bis in die Gegenwart fortschreiben lässt, ist nach den Anschlägen vom September 2001 auch offensichtlich geworden.
Stichwort »Kulturgeschichte«
Dieses Projekt verfolgt in ihrem Kern keine Geschichte politischer Repression oder staatlicher Überwachung in den USA, sondern fragt nach der Stellung denunziatorischen Redens und denunziatorischen Handelns innerhalb der Kultur der Vereinigten Staaten insgesamt. Dabei ist eine Perspektive auf die Funktionsweisen von Herrschaft und die »Scharnierfunktion« von Denunziationen zwischen »oben« und »unten« ohne Zweifel wichtig, sie muss aber in meinem Verständnis um Ebenen von Bedeutung, Wahrnehmung und Sinnhaftigkeit erweitert werden, um Aussagen über die kulturelle Eindringtiefe von Denunziationen ermöglichen zu können. Dabei wird darauf zu achten sein, wie sich die »Linse Denunziation« zu verschiedenen Achsen der Vergesellschaftung wie beispielsweise Race, Class & Gender verhält.
Der wesentliche theoretische Ansatz der Arbeit ist mithin ein diskursanalytischer. Unter Berücksichtigung normativer Texte, Akten aus Justiz u. Strafverfolgung, politischer Debatten sowie nicht zuletzt künstlerischer und medialer Verarbeitungen wird es darum gehen, die vielfältigen Facetten des Denunzierens in der Geschichte der USA aufscheinen zu lassen.

Sportgeschichte als Kulturgeschichte moderner Körper
Die jüngere Körpergeschichte hat nachdrücklich gezeigt, dass soziokulturelle Ordnungen zutiefst über Vorstellungen vom menschlichen Körper formiert wurden und werden – über physische Zuschreibungen und Identitätsbildungen, die in der Moderne vor allem an die Kategorien Geschlecht und „race“/„Ethnizität“ gekoppelt sind. Einerseits hat die Sportgeschichtsschreibung bislang nur selten mit diesen Ergebnissen gearbeitet, andererseits hat sich die Körpergeschichtsschreibung kaum mit dem Sport befasst, obgleich dieser Körperlichkeit und regelhafte Strukturbildung wie kaum eine andere Handlungsform miteinander verbindet. Körper- und Sportgeschichte haben bislang kaum zueinander gefunden.
Das Projekt wird vorführen, wie „race“ und „gender“ im Sport mobilisiert und reproduziert wurden und wie sie so für moderne Gesellschaftsformationen einerseits und moderne Subjekte andererseits konstitutiv waren und sind. Sport wird demnach sowohl als ein Ensemble von Praktiken wie auch als ein „Raum“ verstanden, in dem Subjekte wie Kollektive sich zu jeweils historisch etablierten Entwürfen von „race“ und „gender“ verhielten und diese Entwürfe dabei zugleich mitprägten.
Diese Überlegungen sind angekoppelt an das von der DFG geförderte Projekt "Sport-Körper-Subjekt", das von Kirsten Heinsohn, Stefanie Schüler-Springorum, Andreas Eckert und Jürgen Martschukat beantragt wurde;http://sport-koerper-subjekt.de/